Vom Talbrunnen
English Cocker Spaniel aus jagdlicher Zucht
Mitglied im Jagdspaniel-Klub e. V.

Die ersten Schritte zum perfekten Jagdhund

 

1. Grundsätzliches

Nie mit Zwang oder Strafe!

Nie zu lange und nicht zu häufig!

Immer positiv abschließen, egal wie und mit was!

Immer die gleichen Kommandos verwenden!

Immer arbeitet die gleiche Person mit dem Hund!

Täglich eine der vorgeschlagenen Übungen genügt.
Wenn der Welpe kein Interesse mehr zeigt, einfach aufhören! Er soll immer Interesse haben, wobei Interesse auch vor allem Hunger heißen kann! Wenn er etwas gut macht, sehr viel Lob ( richtig übertreiben ) und die Belohnung geben.
Üben Sie nie mit einem satten, eben gefüttertem Hund!
Nutzen Sie jede Gelegenheit, den Welpen jagdliche Erfahrungen machen zu lassen. Jedes geschossene oder auch gefundene ( überfahrene, verendete ) Stück Wild ist eine neue Erfahrung und gibt Gelegenheit zu Übungen.

Lassen Sie Ihren Welpen soviel wie möglich Kontakt mit anderen Hunden haben.
Legen Sie großen Wert auf das Kontaktliegen mit Ihrem Welpen.

Gipsy-Sperling-traegt

Welpenkurs-Spielen

 

2.Vorübungen für alle Spur - und Fährtenarbeiten

Auch Welpen aus jagdlicher Zucht müssen erst lernen ihre Nase zu gebrauchen!

Es gibt keine Naturtalente!

Es ist keine Frage der Riechleistung der Hunde, die unterschätzen wir Menschen. Nur die ständige Übung bei steigendem Schwierigkeitsgrad macht den Meister, was die Länge, das Alter und  den Verlauf der Fährte anbetrifft ( Wind- und Bodenverhältnisse beachten und die Varianz der Duftkombinationen ).

Wichtig für den Welpen ist die Verknüpfung des zuerst gesichteten Wilds ( z.B. Hase, Reh, usw. ), und das anschließende Wahrnehmen ( Riechen ) der Duftspur ( Fährte ). Ohne diese Verknüpfung beider Erfahrunswerte, wird der Welpe keine jagdlichen Eigenschaften ( z.B. Spurlaut, Vorstehen ) erfolgreich entwickeln.

Zeigen Sie immer selbst Interesse für die Fährte ( auch die Fuchsfähe macht es vor ), und wenn notwendig mit der Nase - nicht Hand - auf die Fährte runter. Dies hilft auch wenn der Welpe das Interesse für die Fährte verloren hat.

Wir beginnen deshalb immer mit der Futterschleppe!

Futterschleppen mit Fleischstückchen, Lunge, Pansen oder Blättermagen. Mit einem Bindfaden den Blättermagen an den Schuh gebunden, wird beim Auslaufen der Fährte die Duftspur leicht und schnell erledigt.

Die Fährte wird alle 2 Schritte mit kleinen Fleischstückchen präpariert, und am Ende die gefüllte Futterschüssel ( mit einem Drahtgitter abgedeckt ) hingestellt. Wichtig ist, daß der Welpe sich an der Futterschüssel nicht selber bedienen kann.

Mit einer Länge von ca. 10 Metern ohne Haken beginnen. Langsam steigern auf  bis zu  400m, mit 2 - 3 stumpf- bis rechtwinkligen Haken. Am Anfang arbeitet man sofort nach dem Legen der Schleppe, dann verlängert man langsam die Stehzeit bis auf ca 1 Stunde. Sobald der Welpe zügig die Futterschleppe arbeitet, werden immer weniger Futterstückchen gelegt.

Bei Arbeiten über 100m kommt der Hund an die Feldleine und man sollte auf eine ruhige Arbeit achten, bei der man selber nicht rennt. Der Führer bestimmt das Tempo.

Jede Fährte hat einen eindeutigen Anfang ( Anschuß mit Bodenverwundung ) und ein eindeutiges Ende ( abgedeckte mit Futter gefüllte Futterschüssel, bzw. Wild, Rehdecke... ).

Bald kann man auf das Tupfen einer Schweißfährte mit Rinderblut übergehen, wobei am Anfang wieder einige Fleischstückchen in die Fährte bzw. Wundbett oder Haken gelegt werden. Bitte benutzen Sie dann auch den Schweißriemen

Schleppen mit Wild kann man zusätzlich zur Schweißfährte durchführen. Sie werden beim noch nicht apportierenden Hund nur an der Feldleine gearbeitet. Vergessen Sie nie die Belohnung und das überschwengliche Lob am Ende dieser Schleppen.

Das Kommando heißt „Such verloren“.

erste-Futterschleppe

 

3. Vorübungen fürs Stöbern

Dies erfordert mitunter viel Geduld, da der Stöberhund-Welpe erst lernen muss, sich vom Führer zu lösen. Sie müssen immer selbst Interesse zeigen und querfeld - und waldein laufen, immer dort wo auch Wild wechselt ( Waldtrauf, Feldweg, Hohlweg, Schneisen, Bäche, Flußufer, Dickungen... ).

Am Anfang nicht versuchen den Welpen in den Wald / Dickung zu schicken, und selbst auf den Wegen bleiben!

Machen Sie es solange vor, bis er selbst interessiert alleine in die Dickung reingeht.

Vor dem Stöbern muss man dem Welpen Wild gezeigt und die Duftspur verknüpft haben.

Man geht langsam ( mehr Stehen als Gehen ) mit dem frei laufendem Welpen durch den Wald bzw. das Feld, auch durch Dickungen und Maisschläge. Wenn der Welpe etwas interessantes riecht und zu suchen beginnt, bleibt man stehen und wartet, bis der Welpe das Interesse verloren hat und zurück gekommen ist. Sieht man Wild abspringen, geht man mit dem Welpen die Spur aus. Später kann man den Welpen einige Meter von der Spur entfernt mit dem Kommando „Such voran“ schicken.

Immer an der Stelle warten, wo man den Hund geschickt hat

Wenn er zurück kommt wird er gelobt, und man geht weiter.

Der bereits erfahrene Hund kommt an die Leine und wird bis zur Dickung geführt. Dort lässt man ihn sitzen, nimmt ihm die Halsung ab und schickt ihn wieder mit dem Kommando „Such voran“ in die Dickung. Warten Sie wieder an der Stelle, bis der Hund zurück ist. Dann wird er wieder angeleint, gelobt und man geht weiter.

Beobachten Sie den Hund unauffällig beim Stöbern, bitte nicht Fixieren.

Das Kommando heißt „Such voran“.

im--Revier-3-Monate-alt

Welpenkurs-Suche1

 

4. Vorübungen zur Wasserfreude und Wasserarbeit

Man wählt für die ersten Male warme Tage und Gewässer. Aber auch im Winter kann man den Welpen kurzzeitig Wasser zumuten, sofern man ein Handtuch zum Abtrocknen dabei hat und den Welpen in Bewegung hält.

Im Wasser schwimmen soll so normal sein wie im Wald und Feld laufen !

Immer selbst Interesse zeigen und am Anfang durch Wasserpfützen und flache Wasserstellen laufen, dabei den Welpen frei mitlaufen lassen. Ideal sind flache Furten durch Bäche oder Flüsse, da der Welpe dann nicht ausweichen kann und folgen muß. Bitte warten Sie bis der Welpe folgt bzw. unterstützen und loben Sie ihn durchs Wasser zu laufen. Wenn er sich nicht überwinden kann, gehen Sie außer Sicht und warten ab ob er folgt. Sollte er kehrt machen und nicht durchs Wasser folgen, zeigen Sie sich ihm und locken. Wenn es gar nicht geht gehen Sie zurück und versuchen es an einer anderen flachen Stelle. Muntern Sie ihn dabei immer wieder auf.

Ideale Wasserstellen sind die, wo er neben dem Element Wasser auch Wildfährten oder Schwimmspuren der Ente findet. Auch können Sie Entenschleppen quer und längs zur Wasserstelle vorher herstellen und die tote Ente am Ende ablegen. Ein weiterer starker Anreiz ins Wasser zu gehen bzw. zu schwimmen ist die Benutzung der Reizangel mit einer angebundenen toten Ente ( Bohnenstange mit ca. 1,5 - 2m Seil ), wobei die Ente immer wieder vor dem Welpen ins und durchs Wasser gezogen wird.

Das Kommando heißt „Wasser voran“.

Welpenkurs-Ente-I

Welpenkurs-Ente-II

 

5. Vorübungen für die Schussfestigkeit

Auch Jagdhunde werden nicht schussfest geboren, also Vorsicht, bitte damit Zeit lassen! Zuerst schießt nur der Kursleiter.

Geschossen wird bei den ersten Malen in einer Umgebung die dem Welpen vertraut ist, und bei einer Beschäftigung die dem Welpen Freude macht ( Spaziergang, Spiel, Dressurangel, ... ).

Der Schuss muss vom Welpen weggerichtet und die Schussabgabe ca. 50 m entfernt sein. Erschrickt er sehr, wiederholt man es frühestens am nächsten Tag. Wenn erkennbar ist, dass ihn der Schuss nicht beeinträchtigt, dann kann man die Distanz an den Folgetagen bis auf 30m verkürzen.

Der Welpe muss zuerst den Schuss als etwas Normales und später als etwas Positives verknüpfen.

Kein Lob, wenn der Welpe nach dem Schuss zu ihnen kommt!

Grundsatz: Nicht den Welpen mit auf die Jagd nehmen!

schussfest

 

6. Vorübungen für den Gehorsam ( Herkommen, Sitzen, Leinenführigkeit )

Grundsätze:

Befehlen Sie ihrem Hund !
Seien Sie konsequent und hartnäckig !
Setzen Sie Befehle durch !
Seien Sie fair !
Bestrafen Sie Missachtung !
Loben Sie ihn für Gehorsam und Leistung !
Entwickeln Sie Vertrauen !
Beim Herkommen darf der Welpe nie gestraft werden, auch wenn man sich zuvor über ihn geärgert hat ( weil er z.B. nicht auf Befehl gekommen ist ).

Kommt er auf Ruf „Komm“, wird er ausgiebig gelobt und angeleint.

Beim gelehrigen Welpen können Sie bereits das Kommando mit einem Doppelpfiff der Hundepfeife ergänzen, so dass er das Kommando und den Pfiff miteinander verknüpft.

Sitzen übt man im Haus, wenn man dem Welpen eine kleine Leckerei geben will. Beim Kommando „Sitz“ drückt man das Hinterteil herunter. Sobald er sitzt, bekommt er die Belohnung. Wenn er begriffen hat, lässt man ihn ein Weilchen sitzen, bevor er seine Belohnung bekommt.

Aus dem Sitz wird der Welpe ins Platz gebracht, indem man ihm nach vorne die Vorderläufe wegzieht. Aus dem Platz holt man den Welpen durch Klatschen auf die Schenkel. Das Kommando heißt „Platz“.

Lassen Sie sich nicht von ihrem Hund an der Leine führen, sondern führen Sie ihn. Gehen Sie dabei aber nicht zu grob mit ihm um. Üben Sie am besten ohne Ablenkung. Das Kommando heißt „Fuߓ. Führen Sie ihn so, dass er dicht an ihrer linken Seite laufen muss. Loben Sie ihn dabei, wenn er ohne zu ziehen es richtig macht. Später können Sie ihn immer wieder durch Stehenbleiben und dem Kommando „Sitz“ zur Aufmerksamkeit erziehen.

Wenn er älter und erfahrener ist, kann man etwas Druck ausüben bei Beachten der Grundregeln.

Welpenkurs-Leinenfuehrigkei

Welpenkurs-Sitz

 

7. Vorübungen fürs Apportieren

An die Dressur- bzw. Reizangel kommt ein kleines Stück totes Wild ( Karnickel, Ente, Taube, Marder... ), oder ein Stück Rehdecke bzw. Hasenbalg. Der Hund kann nun seinen Bewegungsdrang austoben, indem er hinter der kreisenden Reizangel herjagt. Er lernt zupacken und gegebenenfalls tragen. Man kann ihn zu sich herlocken oder   - ziehen und ihm seine Beute gegen eine Belohnung abnehmen. Nutzen Sie den Beutetrieb des Welpen aus.

Durch den Beutetrieb und dem starken Anreiz durchs Wild kann eine vorhandene Wildschärfe herausgearbeitet werden. Dies vor allem wenn mehrere Hunde gleichzeitig hinter der Reizangel herjagen.

Welpen spielen auch sehr gern die Apportierspiele mit einem kleinen Apportierbock, Dummy oder z.B. Rehlauf etc. Den Apportierbock kann man zum Anreiz und angenehmeren Tragen mit Hasenbalg o.ä. umwickeln. Zu Beginn wird er geworfen, so daß es der Welpe sehen kann. Später kann er auch versteckt oder geschleppt werden und er muß ihn suchen. Wenn man ihn mit dem Apportel hergelockt hat, wird er sehr gelobt und er bekommt seine Belohnung.

Lassen Sie ihn jedoch nicht unbeaufsichtigt mit dem Apportel oder Wild !

Zernagen oder womöglich fressen darf er es nicht !

Wenn er es richtig gemacht hat, Belohnung und aufhören. Überfordern Sie ihn nicht und machen es nicht zu oft. Arbeiten Sie spielerisch mit ihm und fordern Sie keine reife Leistung, hierzu besuchen Sie bitte einen geeigneten Hundeführerlehrgang im Folgejahr.

Die Kommandos heißen „Apport“, „Halt fest“ und „Aus“.

Welpenübung Tau klein

16-Dressurangel-Cocker