Vom Talbrunnen
English Cocker Spaniel aus jagdlicher Zucht
Mitglied im Jagdspaniel-Klub e. V.

Der Weg zum perfekten Apportierer

Auch wenn unsere Spaniels von Natur aus recht apportierfreudig sind, so kann man diese Freude zwar als Grundlage bei der Apportierabrichtung durchaus nutzen, jedoch kommt irgendwann einmal der Punkt, wo wir unserem Hund beibringen müssen, dass er – auch wenn er gerade einmal keine Lust hat – ganz einfach bringen muss. Dies erreichen wir nicht durch Zwang, sondern durch konsequentes und geduldiges Üben, wobei dem Hund das Apportieren so selbstverständlich werden soll, wie „Sitz“. „Platz“ oder „Fuߓ.
Unsere Spaniels werden im Vergleich zu Vorstehhunden relativ spät zum Apportieren abgeführt, in der Regel erst nach dem Ablegen der Anlagenprüfung.
Diese findet aber zumeist später statt als die Jugendsuche beim Vorstehhund, denn anders als der junge Vorstehhund hat ein Spaniel bei seiner Anlagenprüfung relativ selbständig zu arbeiten, beim Stöbern zum Beispiel, wo er ja keinen Sichtkontakt zu seinem Führer hat. Und bevor unser Hund nicht spurlaut jagt, ist es auch wenig sinnvoll, ihn auf einer Anlagenprüfung zu führen.

Nachdem wir aber beim Apport nicht ohne einen gewissen Druck auskommen, wird der Hund – zumindest am Anfang der Apportierausbildung – sich enger an seinen Führer anschließen, er will es ihm ja recht machen. Wir würden also bei der Anlagenprüfung vermutlich weniger gut abschneiden, wenn wir mit dem Apport, einem Dressurfach, schon vorher anfangen würden.

Dies nur vorab zur Erklärung, weshalb wir möglicherweise etwas mehr Probleme haben könnten als der Führer eines Vorstehhundes, der häufig mit seinem Hund im Apport schon fertig ist, wenn wir gerade einmal erst mit diesem Ausbildungsschritt anfangen. Und es ist schon etwas Wahres dran:
„Was Hänschen nicht lernt – fällt Hans manchmal zumindest verflixt schwer….“

Aber Spaniels sind intelligente Hunde, die bei konsequenter Ausbildung eigentlich recht einfach zum zuverlässigen Apportieren gebracht werden können.
Als Welpe hat unser Hund schon verschiedene Wildarten kennen gelernt, die er an der Dressurangel hetzen und greifen durfte und die wir ihm dann abgenommen haben und ihn mit einem Leckerbissen dafür belohnt haben. Hier haben wir durch Ausnützen des natürlichen Beutetriebes des Hundes den Grundstein zum freudigen Apportieren gelegt, so dass wir es nicht nötig haben, unserem Hund durch den „Zwangsapport“, der auch heute noch in vielen Köpfen umherspukt, die angewölfte Bringfreude erst einmal wieder auszutreiben !

Zunächst einmal arbeiten wir ohne Wild. Erst wenn der Hund gelernt hat, verschiedene Bringgegenstände sicher zu apportieren, können wir dazu übergehen, ihn Wild bringen zu lassen.

StrohbockDer erste Gegenstand, mit dem man üben sollte, ist der Strohbock. Er lässt sich einfach selbst herstellen, er ist leicht und liegt dem Hund angenehm im Fang, so dass er ihn lieber nimmt als beispielsweise einen Holzbock. Man lässt den Hund vor sich sitzen, öffnet ihm mit leichtem seitlichen Druck auf die Lefzen den Fang und schiebt den Strohbock mit dem Kommando „Apport“ in den Fang. Der Hund wird versuchen, den Bock mit der Zunge wieder hinauszuschieben, so dass wir mit dem Daumen der Hand, die den Bock hineinschiebt, diesen für einen Moment im Fang des Hundes festhalten. Die andere Hand liegt am Hinterkopf des Hundes, um ihn daran zu hindern, rückwärts auszuweichen. Dann sofort den Bock wieder herausnehmen (Kommando „Aus“) und dem Hund einen Leckerbissen geben. Diese Übung sollte man nicht mehr als dreimal hintereinander und höchstens insgesamt zweimal täglich machen und immer freundlich dabei bleiben (wichtig !!). Mit der Zeit wird der Hund den Strohbock im Fang dulden, so dass wir die Hand wegnehmen können. Allerdings muss man den Hund genau beobachten (Kommando „Halt fest“), denn es muss auf alle Fälle vermieden werden, dass der Bock auf den Boden fällt. Also anfangs nur kurz halten lassen.

Dummy

Apportiersack

In dem Moment, wo der Hund zum ersten Mal auf das Kommando „Apport“ den Fang freiwillig öffnet und den Bock nimmt, ist ein ganz wichtiger Schritt getan. Nun kann man auch einmal zu anderen Apportiergegenständen wie beispielsweise einem Dummy (für die Wasserarbeit wichtig, weil er schwimmt) oder einem nur leicht gefüllten Apportiersack übergehen. Auch den Apportiersack, den ich für besser halte, als einen Apportierbock aus Holz (er ist dem Wild ähnlicher als der harte Holzbock) kann man leicht selbst herstellen: Man bindet ein altes Jeanshosenbein in der Mitte ab, dieses Griffstück mit einem Stück altem Garten- oder Waschmaschinenschlauch verstärken. Die beiden Außenstücke mit Splitt füllen (Sand ist zu fein, rieselt heraus, Kies ist zu grob, klappert und schlägt dem Hund beim Tragen auf die Vorderläufe) und zubinden.
Erst wenn der Hund sicher festhält, sollte er den Bock oder Sack an der Leine bei Fuß geführt einige Zeit tragen. Auch jetzt weiterhin immer darauf achten, dass der Hund sitzend auf das Kommando „Aus“ ausgibt.

Bitte immer und jedes Mal die Befehle „Apport“, „Halt fest“ und „Aus“ anwenden und jedes Mal nach dem „Aus“ das Lob bzw. den Leckerbissen nicht vergessen.

Wenn man durch geduldiges und konsequentes Üben mit dem Hund bis zu diesem Stand gekommen ist, so ist das Aufnehmen vom Boden eine leichte Übung. Die Hand, die dem Hund den Apportiergegenstand mit dem Kommando „Apport“ vor die Nase hält nähert sich immer mehr dem Boden, so dass der Hund von selbst immer mehr mit der Nase zum Boden muss. Zum Schluss liegt der Apportiersack auf dem Boden, die Hand berührt ihn nur noch leicht oder weist nur noch in Richtung Sack.
Wenn der Hund vom Boden aufnimmt, wird als nächster Schritt der Gegenstand etwas entfernt von dem Hund auf den Boden gelegt, der Hund vom Führer an der Leine herangeführt und nun sollte er eigentlich schon ganz selbstverständlich auf „Apport“ den Gegenstand auch aufnehmen. Nach ein paar Schritten heißt es „Sitz“ und „Aus“.
Der Hund wird nun in immer flotterer Gangart an den Apportiergegenstand herangeführt, so dass er ganz von alleine schnelles Zugreifen lernt. Bei diesem Ausbildungsstand bereitet es vermutlich überhaupt keine Probleme, wenn man den Apportiergegenstand ein paar Meter weglegt und den Hund dann frei mit „Apport“ zu dem Gegenstand schickt. Beim Bringen auf korrektes Sitzen und Ausgeben achten !
Man kann jetzt die Entfernung, in der man den Sack auslegt sowie dessen Gewicht steigern.

Der Übergang zum Wild gelingt nun auch problemlos. Dem Hund sind mittlerweile die Befehle in Fleisch und Blut übergegangen. Sie können nun die selben Übungen mit Wild machen.

Hase

Ente

Später können Sie das Wild (oder auch den Apportiersack, den Ihr Hund liebt, wenn Sie die Ausbildung richtig gemacht haben) schleppen, vermutlich wird ihr Hund schon bei der ersten Schleppe begreifen, was Sie von ihm wollen. Die ersten kurzen Schleppen (mit Nackenwind) können Sie noch an der Feldleine machen, danach wird Ihr Hund so weit sein, dass er ohne Leine bringen wird.
Zur Freiverlorensuche wird das Stück unter Wind ausgelegt, der Hund wird bei der Quersuche das Stück in die Nase bekommen und wahrscheinlich sogar ohne Befehl freudig zutragen.

Wie bei allen anderen Fächern der Hundeausbildung heißt auch beim Apportieren das Zauberwort Konsequenz.

Erst wenn ein Schritt wirklich sitzt, darf man den nächsten machen.

  • Wenn etwas nicht ganz korrekt klappt, lieber wieder einen Schritt zurückgehen
  • Man darf selbst niemals nachlässig werden.
  • Jeder Fehler muss sofort korrigiert werden.
  • Nicht zu häufig üben, der Hund muss Freude an der Arbeit behalten.
  • Die Arbeit immer positiv beenden.

Und bitte: zeigen Sie Ihrem Hund, dass Sie sich freuen, wenn er es richtig macht !